Wie gelingt es, einen Handwerksbetrieb erfolgreich zu führen, ohne dabei sich selbst und die eigenen Mitarbeiter aus dem Blick zu verlieren? Und was können Unternehmer tun, wenn die täglichen Herausforderungen irgendwann mehr Kraft kosten, als sie sollten?
Darum ging es bei unserem Netzwerktreffen von Handwerk Troisdorf am 9. September. Zu Gast war Dominik Bojakowski mit einem Vortrag über mentale Stabilität, Führung und systemisches Coaching.
Und schnell wurde deutlich: Hier spricht niemand über theoretische Modelle, die mit dem Handwerkeralltag wenig zu tun haben. Dominik kennt diesen Alltag selbst sehr genau.
Geschäftsführer eines Dachdeckerbetriebes und systemischer Coach
Dominik ist nicht nur systemischer Coach, sondern seit vielen Jahren auch Geschäftsführer der Ragas Dachdeckermeisterbetrieb GmbH in Köln.
Diese Kombination machte seinen Vortrag für unser Netzwerk besonders interessant. Denn die Situationen, von denen Dominik berichtete, kennen viele Unternehmer aus eigener Erfahrung: Verantwortung für Mitarbeiter, Entscheidungen unter Zeitdruck, Probleme im Tagesgeschäft und der Anspruch, den eigenen Betrieb kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Dominik berichtete dabei auch sehr persönlich von seinem eigenen beruflichen Weg. Als er zu Ragas kam, seien viele Dinge, die man heute im Unternehmen anders mache, noch völlig normal gewesen. Nach und nach wurden Strukturen und Vorgehensweisen verändert – und das Unternehmen entwickelte sich erfolgreich weiter.
Dabei spielte für ihn auch die Beschäftigung mit der eigenen Rolle als Führungskraft eine wichtige Rolle.
„Die Lösung habt ihr alle in euch selbst“
Ein zentraler Gedanke seines Vortrags war das Verständnis von systemischem Coaching.
Ein systemischer Coach kommt nicht mit einer fertigen Lösung und sagt einem Unternehmer, was er zu tun hat. Stattdessen begleitet er einen Prozess. Er stellt Fragen, regt zum Nachdenken an und setzt Werkzeuge ein, mit denen Menschen ihre eigene Situation aus einer anderen Perspektive betrachten können.
Oder, wie Dominik es sinngemäß auf den Punkt brachte: Die Lösung tragen wir häufig bereits in uns selbst.
Das klingt zunächst einfach. Im Unternehmeralltag fehlt jedoch oft genau das, was dafür notwendig ist: Abstand. Zwischen Baustellen, Mitarbeitern, Kunden, Angeboten und den nächsten Entscheidungen bleibt wenig Zeit, die eigene Situation und das eigene Handeln einmal bewusst zu hinterfragen.
Gute Fragen statt fertiger Antworten
Genau hier setzt systemisches Coaching an. Nicht der Coach löst das Problem. Vielmehr schafft er die Möglichkeit, selbst neue Lösungswege zu erkennen.
Dominik machte im Vortrag deutlich, dass es dabei keine „dummen Fragen“ gibt. Fragen können helfen, eingefahrene Denkweisen aufzubrechen und Dinge sichtbar zu machen, die man im täglichen Geschäft längst als selbstverständlich akzeptiert hat.
Der Coach begleitet dabei den Prozess, stellt Fragen und bietet Methoden an. Die eigentliche Veränderung entsteht jedoch beim Menschen selbst.
Gerade für Unternehmer und Führungskräfte ist dieser Gedanke spannend. Denn sie sind es gewohnt, Probleme zu lösen, Antworten zu geben und Entscheidungen für andere zu treffen. Sich selbst einmal die richtigen Fragen zu stellen, fällt dagegen häufig wesentlich schwerer.
Führung bedeutet auch, Mitarbeiter mitzunehmen
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Vortrags war die Rolle der Mitarbeiter.
Veränderungen in einem Unternehmen funktionieren nicht allein dadurch, dass die Geschäftsführung eine Entscheidung trifft. Führung bedeutet auch, Mitarbeiter in Entwicklungen einzubeziehen, sie zu begleiten und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren eigenen Beitrag zu leisten.
Dominik konnte dabei immer wieder auf seine eigenen Erfahrungen als Geschäftsführer zurückgreifen. Genau dadurch bekamen Themen wie Führung, Veränderung und mentale Stabilität einen unmittelbaren Bezug zum Handwerk.
Es ging nicht um abstrakte Managementtheorien, sondern um Situationen, die in Handwerksunternehmen tatsächlich stattfinden.
Wenn Erfolg allein irgendwann nicht mehr reicht
Besonders persönlich wurde der Vortrag, als Dominik über seine eigene Entwicklung sprach.
Viele Jahre habe er bestimmte Verhaltensweisen und seine Art, mit den Anforderungen des Unternehmeralltags umzugehen, als völlig normal empfunden. Doch irgendwann habe er festgestellt, dass die Kraft nachlässt.
Ein wichtiger Punkt, denn gerade Unternehmer sind es gewohnt, weiterzumachen. Probleme werden gelöst, der nächste Auftrag wartet und die Verantwortung für Mitarbeiter und Unternehmen verschwindet nicht einfach.
Mentale Stabilität bedeutet deshalb nicht, immer stärker sein und immer mehr aushalten zu müssen. Es geht vielmehr darum, das eigene Handeln zu reflektieren, Veränderungen zuzulassen und sich bei Bedarf Unterstützung zu holen.
Ein Vortrag aus dem Handwerk für das Handwerk
Genau diese Mischung hat den Abend für unser Qualitätsnetzwerk besonders gemacht.
Dominik kennt beide Seiten: die tägliche Verantwortung als Geschäftsführer eines Handwerksunternehmens und die Arbeit als systemischer Coach. Seine Beispiele kamen deshalb nicht aus einem Lehrbuch, sondern aus vielen Jahren eigener Erfahrung.
Das sorgte auch im Anschluss für Gesprächsstoff. Denn bei vielen seiner Beispiele dürfte der eine oder andere Unternehmer im Raum gedacht haben: Das kenne ich ziemlich gut.
Und genau darum geht es bei unseren Treffen von Handwerk Troisdorf: voneinander lernen, Erfahrungen austauschen, neue Perspektiven kennenlernen und Themen ansprechen, die im normalen Betriebsalltag manchmal zu kurz kommen.
Vielen Dank, Dominik, für einen offenen, persönlichen und vor allem praxisnahen Vortrag!
Ein Abend, der gezeigt hat, dass erfolgreiche Unternehmensführung nicht nur mit Zahlen, Aufträgen und Prozessen zu tun hat. Sie beginnt auch bei der Frage, wie wir mit uns selbst, unseren Mitarbeitern und den täglichen Herausforderungen umgehen.











